03.11.2026, 16.00
Eine neue Konzertreihe begeistert mit musikalischer Vielfalt
Mit vier abwechslungsreichen Konzerten ging am 18. Oktober 2026 die erste Ausgabe von ORGEL.PUNKT Rotkreuz zu Ende. Die neue Konzertreihe in der katholischen Kirche Rotkreuz präsentierte die Orgel in ihrer ganzen musikalischen Vielfalt: als Soloinstrument, als Begleiterin des gregorianischen Chorals und als Partnerin im kammermusikalischen Zusammenspiel mit Holzblasinstrumenten.
Die vier Konzerte eröffneten unterschiedliche Perspektiven auf die Orgelmusik und spannten einen weiten Bogen vom frühen Barock bis zur Romantik und zur zeitgenössischen Musik. Dabei wurde deutlich, wie facettenreich und lebendig dieses traditionsreiche Instrument auch heute ist.
Gregorianischer Choral und Orgel – ein besinnlicher Auftakt
Am 30. August eröffneten Giuseppe Raccuglia an der Orgel und die Schola Gregoriana Argoviensis die Konzertreihe. Im Mittelpunkt stand die Begegnung zwischen dem gregorianischen Choral und der Orgelmusik verschiedener Epochen.
Der einstimmige, von lateinischen liturgischen Texten geprägte Gesang bildete einen reizvollen Kontrast zur klanglichen Vielfalt der Orgel. Werke von Johann Sebastian Bach, Giovanni Battista Cirri, Johann Pachelbel und César Franck verbanden barocke Klarheit mit romantischer Ausdruckskraft.
Die Gegenüberstellung von Gregorianik und Orgelmusik eröffnete einen Raum der Ruhe und Besinnung. Gleichzeitig wurde hörbar, wie sich die jahrhundertealte Tradition des liturgischen Gesangs und die vielfältigen Ausdrucksmöglichkeiten der Orgel gegenseitig ergänzen.
Mit diesem Konzert erhielt die neue Reihe einen Auftakt, der die spirituelle Dimension der Kirchenmusik ebenso hervorhob wie ihren künstlerischen Reichtum.
Zwischen Barock, Klassik und Moderne
Am 13. September setzte Mirjam Wagner, Organistin der Reformierten Kirche Zug, die Konzertreihe mit einem vielseitigen Soloprogramm fort. Werke aus unterschiedlichen Epochen zeigten die Entwicklung der Orgelmusik und die vielfältigen Möglichkeiten des Instruments.
Die Musik von Johann Sebastian Bach stand für die kunstvolle Polyphonie und die strukturelle Klarheit des Barocks. Wolfgang Amadeus Mozart brachte die Eleganz und Ausgewogenheit der Klassik zur Geltung. Mit Louis Vierne begegnete das Publikum der farbenreichen französischen Orgelromantik, während George Reece-Trapp eine zeitgenössische Perspektive eröffnete.
So entstand ein musikalischer Dialog über mehrere Jahrhunderte hinweg. Die verschiedenen Stile machten deutlich, dass die Orgel nicht nur ein Instrument der kirchenmusikalischen Tradition ist, sondern auch ein lebendiges Medium für neue musikalische Ausdrucksformen.
Von der spanischen Renaissance zur Wiener Klassik
Am 20. September gestaltete Susanna Soffiantini, Hauptorganistin der Stadtkirche St. Nikolaus in Bremgarten, das dritte Konzert der Reihe. Ihr Programm führte durch verschiedene europäische Traditionen der historischen Orgelmusik und verband Werke aus Renaissance, Barock und Klassik.
Mit dem Tiento de medio registro de dos tiples de 2° tono von Francisco Correa de Arauxo begegnete das Publikum der spanischen Orgelkunst des frühen 17. Jahrhunderts. Die beiden Sonaten K. 208 und K. 209 von Domenico Scarlatti brachten die melodische Eleganz und den lebendigen Charakter der italienisch geprägten Barocktradition ein. Die Sinfonia aus Johann Joseph Fux’ Werk La fede sacrilega nella morte del Precursor S. Giovanni Battista ergänzte das Programm um eine weitere Facette barocker Musiksprache.
Einen besonderen Kontrast bildeten die Werke von Wolfgang Amadeus Mozart. Die Ouvertüre aus Die Entführung aus dem Serail KV 384 und das Andante KV 616 liessen die Leichtigkeit, den melodischen Reichtum und die klare Formensprache der Wiener Klassik auf der Orgel erklingen.
Mit der Sonata (Siciliano) von Gaetano Valerj und dem Rondò con imitazione de’ campanelli von Giovanni Morandi kamen weitere charakteristische Werke hinzu. Besonders die Anklänge an Glockenklänge im Rondò verliehen dem Programm einen reizvollen, klangmalerischen Abschluss.
Das Konzert zeigte eindrucksvoll, wie unterschiedlich Komponisten verschiedener Epochen die Möglichkeiten der Orgel nutzten: von kunstvoller kontrapunktischer Gestaltung über melodische Eleganz bis hin zu virtuosen und klangmalerischen Effekten.
Orgel trifft Holzbläser – ein farbenreicher Abschluss
Am 18. Oktober fand die erste Konzertreihe mit einem besonderen kammermusikalischen Programm ihren Abschluss. Giuseppe Raccuglia an der Orgel, Matthias Arter an der Oboe und Oboe d’amore sowie Ana Lomsaridze Arter am Englischhorn gestalteten ein Konzert, das die klanglichen Möglichkeiten dieser ungewöhnlichen Besetzung eindrucksvoll zur Geltung brachte.
Das Programm vereinte Werke von Wolfgang Amadeus Mozart, Antonio Vivaldi, Franz Schubert, César Franck und Franz Danzi. Die barocke Virtuosität Vivaldis begegnete der klassischen Eleganz Mozarts. Mit Schubert und Franck öffnete sich der musikalische Horizont zur Romantik, während Franz Danzis Concertino mit melodischem Einfallsreichtum und harmonischer Vielfalt einen lebendigen Schlusspunkt setzte.
Besonders reizvoll war das Zusammenspiel der unterschiedlichen Klangfarben. Die charakteristische Tongebung der Oboe, der warme Klang des Englischhorns und die besondere Färbung der Oboe d’amore verbanden sich mit der klanglichen Vielfalt der Orgel zu einem abwechslungsreichen musikalischen Dialog. Die von Matthias Arter eingerichteten Arrangements eröffneten neue Perspektiven auf bekannte Werke und machten die Vielseitigkeit dieser Besetzung hörbar.
Mit diesem Konzert zeigte sich die Orgel nicht nur als Soloinstrument, sondern auch als wandlungsfähige Partnerin im kammermusikalischen Zusammenspiel.
Ein vielversprechender Anfang
Die erste Ausgabe von ORGEL.PUNKT Rotkreuz hat gezeigt, wie vielfältig und offen eine Konzertreihe rund um die Orgel gestaltet werden kann. Vier Konzerte, vier unterschiedliche Programme und zahlreiche musikalische Ausdrucksformen machten die Vielfalt des Instruments erlebbar.
Vom meditativen Charakter des gregorianischen Chorals über die kunstvolle Architektur der historischen Orgelmusik bis hin zur Begegnung mit Holzblasinstrumenten entstand ein abwechslungsreiches Gesamtbild. Die Konzertreihe lud dazu ein, Vertrautes neu zu entdecken und weniger bekannte Werke kennenzulernen.
Ein solcher Konzertzyklus lebt vom Engagement der Künstlerinnen und Künstler, von der Unterstützung der Verantwortlichen und vom Interesse des Publikums. Allen Mitwirkenden, den Verantwortlichen des Pastoralraums Zugersee Südwest und der katholischen Kirchgemeinde Risch sowie allen Konzertbesucherinnen und Konzertbesuchern gilt deshalb ein herzlicher Dank.
Mit Zuversicht in die Zukunft
Mit der ersten Ausgabe ist eine vielversprechende Grundlage geschaffen worden, auf der sich aufbauen lässt. ORGEL.PUNKT Rotkreuz soll auch künftig Raum für hochwertige musikalische Begegnungen, spannende Programme und neue Entdeckungen bieten.
Die Orgel besitzt eine aussergewöhnliche Fähigkeit, unterschiedliche musikalische Welten miteinander zu verbinden. Ihre Klangfarben reichen von schlichter Klarheit bis zu orchestraler Fülle, von meditativer Ruhe bis zu virtuoser Strahlkraft. Dieses Potenzial auch in Zukunft einem breiten Publikum zugänglich zu machen, ist ein lohnendes Ziel.
Vier Konzerte, vier musikalische Perspektiven und ein gelungener Auftakt: ORGEL.PUNKT Rotkreuz blickt mit Zuversicht in die Zukunft.
Giuseppe Raccuglia, Fachverantwortung Kirchenmusik